#MamaMindYourself

 

 

Babyschwimmen und andere Abenteuer

 

Endlich ist es soweit. Die lange herbeigesehnte Stunde ist da. Es ist Dienstag, 10:45h. Ich verabschiede Mann und Sohn mit Küssen und winke ihnen zu, während sie davonfahren. Babyschwimmen. Mein Mann und ich wechseln uns ab, so dass ich alle 14 Tage ungefähr zwei Stunden allein zu Hause bin. Kein Mann, kein Kind. Nur ich.

Die Tage kurz vorher sind geprägt von wachsender Vorfreude und füllen sich zusehends mit Plänen, was in den zwei besonderen Stunden alles erledigt werden könnte. Bis zu dem Moment des Küsschen-aufdrückens und Adieu-winkens sind diese Pläne allerdings meist noch nicht ausgereift, so dass ich nicht weit weg davon bin in hektische Panik auszubrechen, sobald meine beiden Lieblingsmenschen die heimischen Gefilde verlassen haben.

 

Was nun?

Möglichkeiten gäbe es nicht nur für zwei, sondern für mindestens zweitausend Stunden. Räume ich die Küche auf? Mache ich die Steuer? Nähe ich die Innenwindeln, damit wir endlich regelmäßiger mit Stoff wickeln können? Gestern noch hatte ich mir fest vorgenommen, die Zeit in Ruhe an der Nähmaschine zu verbringen. Allerdings habe ich nach knapp zwölf Monaten Mama sein schon längst eine ganz wichtige Sache gelernt: Pläne machen lohnt sich nicht. Weil: Es kommt eh anders.

Und so auch nun. Die letzte Nacht war so unruhig, dass ich mich schon den ganzen Morgen in der Vorfreude darauf durchs Haus schleppe, „meine“ zwei Stunden ganz allein im Bett zu verbringen. Also gehe ich ganz tapfer an der schmutzigen Küche vorbei, steige über den Wäschehaufen im Flur (was macht denn ein Wäschehaufen im Flur???) und konzentriere mich darauf, richtig müde zu sein.

 

Gerade als ich die Tür Richtung Schlafzimmer aufstoßen möchte, kracht es laut im Wohnzimmer. Ich gehe also noch einmal zurück. Meine Augen suchen den Raum nach ungewöhnlichen Dingen ab, die kausal mit dem eben gehörten Geräusch in Verbindung stehen könnten und werden schnell fündig. Auf dem Boden liegt eine Zimmerpflanze verteilt, die normalerweise einen Platz neben dem Fenster bewohnt. Ich kann nur vermuten, dass dieser kleine Unfall irgendwie mit dem vorhin von mir geschlossenen Fenster zusammenhängt, allerdings wird mir die Verkettung der genauen Umstände wohl für immer verborgen bleiben. Ich stecke also etwas nachdenklich die Pflanze zurück in ihren Topf, parke sie wieder an ihrem Platz und fege die Überreste von Blumenerde und Pflanzenresten zusammen. Während ich das Zimmer verlasse, streift mein Blick den Kater, der bereits den ganzen Morgen auf dem Sofa liegt und seinen Entspannungszustand auch von herumfliegenden Pflanzen nicht unterbrechen lässt.

 

Zweiter Versuch. Im Schlafzimmer angekommen schließe ich das Fenster (hier keine Pflanzen in der Nähe) um potenzielle Lärmbelästigungen möglichst fern zu halten. Man kennt das ja: Gerade ist man fast eingeschlummert, da fängt der Nachbar an Rasen zu mähen, oder der Esel von der Weide am Ende der Straße wird von plötzlichen Lustgefühlen ergriffen, die er per ausgiebigem Brunftschrei mitteilen muss. Wieder und wieder. Da seine Lieblingseselin offensichtlich ziemlich weit weg wohnt, benutzt er zur Sicherheit hierfür eine Vuvuzela, damit das Objekt seiner Begierde den Ruf auch bloß erhört. Jedenfalls klingt es so. Kein Scherz.

 

Als ich gerade die Gardinen zuziehen möchte, fällt mein Blick auf die Straße vor dem Haus und in mir macht sich das Gefühl breit, dass irgendetwas an diesem Anblick falsch ist: Benutzte Windeln!? In einer hübschen Anordnung liegen ungefähr sieben der zusammengeknautschten weißen Kugeln auf der Straße verteilt. Die Müllabfuhr war scheinbar da und hat ihren Job heute ausnahmsweise nur so mittelgut erledigt.

Also seufze ich einmal herzzerreißend, und schleiche mich in Schlafshirt und Leggins, mit ungekämmten Haaren und Brille einem Assassinen gleich durch den Vorgarten. Meine stumme Hoffnung, in diesem Zustand möglichst Niemanden draußen anzutreffen wird just davon unterbrochen, dass ich punktgenau gleichzeitig mit den Nachbarn am Tatort zusammenstoße. Schade. Den Anblick hätte ich ihnen gerne erspart. Sie umkurven galant mit ihrem schicken Geländewagen den Windel-Parcours und schenken mir ein freundliches, wenn auch etwas irritiertes Lächeln. Ich befördere alles was nicht auf die Straße gehört in den Restmüll und krieche niedergeschlagen zurück ins Haus.

 

Da es jetzt eh schon fast egal ist, entschließe ich mich duschen zu gehen. Immerhin kommt es für mich mittlerweile einer Wellnessbehandlung gleich, wenn ich, solange ich will unter dem warmen Strahl stehen kann. Diesmal könnte ich sogar das Eincremen hinterher in Ruhe genießen...

 

 

...Es ist jetzt 12:03h. Ungefähr in einer Dreiviertelstunde werden meine beiden Lieblinge wieder zurück sein. Ich liege sauber, mit glatter Haut und völlig entspannt in meinem Bett und habe etwas getan, was ich schon wirklich sehr lange tun wollte: Ich habe einen Text über das wundervoll herausfordernde Mama-sein geschrieben. Und vielleicht schaffe ich es jetzt sogar auch noch eine halbe Stunde zu dösen, ohne dass sich das Karussell aus Gedanken darüber, was in der Zeit alles liegen bleibt, verselbständigt.

 

Ich schließe meine Augen und atme durch. So langsam vermisse ich die Beiden auch schon ein bisschen…

 

 

von Katrin Schäffer

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